Düsseldorf

Abschiedsrituale aus vergangenen Zeiten

Früher war der Umgang mit dem Tod selbstverständlicher. Die Menschen hatten einem Toten gegenüber weniger Berührungsängste. Geburt und Tod eines Menschen und die damit verbundenen Rituale gehörten zum Alltag.

War jemand gestorben, informierte die Totenglocke über das Ereignis.

Der Verstorbene wurde von der Familie, oft gemeinsam mit Freunden und Nachbarn oder den sogenannten Leichenfrauen versorgt. Er wurde gewaschen und angekleidet und im Bett oder im Sarg in einem Raum des Hauses aufgebahrt zwischen brennenden Kerzen, bedeckt mit einem Leinentuch, mit Blick zur Tür.
Angehörige, Bekannte, Freunde und Nachbarn kamen ins Haus und nahmen von dem Verstorbenen Abschied. Sie beteten für ihn, beträufelten ihn mit Weihwasser und segneten seinen letzten Weg. Gemeinsam zelebrierten sie die Totenwache über mehrere Tage und Nächte hinweg.

Die laute Totenklage um den Dahingeschiedenen war damals eine allgemein übliche Sitte als Ausdruck des Wehklagens (Klageweiber). Stille Trauer wurde als verächtlich und pietätlos angesehen. Von seinen Mitmenschen nach dem Tod beklagt zu werden, galt als Zeichen des besonderen Ansehens eines Verstorbenen.

Der Leichnam wurde im Sarg mit den Füßen zuerst aus dem Sterbezimmer getragen und dreimal auf der Hausschwelle abgesetzt. Der Tote verabschiedete sich so von seinem Haus.

Auf dem Weg zum Friedhof übernahmen Freunde und Nachbarn die Aufgabe, den Sarg zu tragen.

Nach der Beisetzung versammelten sich Familienmitglieder, Nachbarn und Freunde des Toten zum gemeinsamen Totenmahl. So wurde noch einmal die Zusammengehörigkeit der Hinterbliebenen gezeigt und der Zusammenhalt gefestigt.

Die Menschen nahmen sich viel Zeit für einen Abschied in Ruhe, Würde und Respekt.

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