Düsseldorf

Kindern den Tod erklären

WZ / 13. November 2010

Trauer Eltern sollen beim Todesfall in der Familie offen über das Sterben reden. Gut gemeinte Floskeln verwirren Kinder und schüren Ängste.

Von Björn Larsen

Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag – im November ist das Thema Tod besonders nah. Viele Angehörigen besuchen die Düsseldorfer Friedhöfe, die Gräber von Verstorbenen. Den Verlust eines geliebten Menschen zu realisieren, ist nicht leicht, schon gar nicht für Kinder. „Wo ist die Oma? Kommt der Opa wieder?“ Die Fragen, die bei einem Todesfall auf Kinder einprasselt, sind schwer zu beantworten. Häufig versuchen Mütter, ihren Nachwuchs zu schützen – mit Floskeln wie „Oma ist eingeschlafen“ oder „auf einer langen Reise“. Gut gemeint. Doch viele verwirrt das nur.

„Kinder bekommen dadurch Angst, dass die Mutter am nächsten Morgen auf einmal weg sein könnte“, sagt Bestatter Claus Frankenheim. Klare Antworten seien deshalb wichtig. Der Tod innerhalb der Familie dürfe kein Tabuthema sein. Schon gar nicht weil die geistige Entwicklung des Kindes einen ehrlichen Umgang begünstige. „Bis zum Altern von fünf Jahren wird der Tod von Kindern noch völlig Unbefangen wahrgenommen“, sagt er. Ab sechs Jahren sein Kindern der Zusammenhang zwischen Leben, Krankheit und Tod bereits klar. Mit acht entwickle sich eine sachliche, fast naturwissenschaftliche Betrachtung. „Auf dem Land möchten manche Kinder dem Bauern beim Schlachten zuschauen“, sagt Frankenheim. Bis zum 14. Lebensjahr wachse dann die Vorstellung vom eigenen Tod – nicht zuletzt durch das Gucken von Nachrichten registriert ein Jugendlicher, bis er 14 Jahre alt ist, 18 000 Todesfälle.

Kitas und Schulen thematisieren den Tod und besuchen Grabstätten

Einige Düsseldorfer Kinderstätten und Schulen setzten sich bereits intensiv mit dem Thema auseinander. Der Kindergarten St. Matthäus aus Hellerhof besucht am Donnerstag das Kolumbarium, eine Aufbewahrungsstätte für Urnen, in der Carl-Severing-Straße 1. Dabei lernen Kinder den Unterschied zwischen Sarg- und Urnenbestattungen. Anschließend malen sie ihre Eindrücke. Beim Friedrich –Rückert – Gymnasium in Rath ist das Thema bereits länger fester Bestandteil des Kunstunterrichts. Die Schüler bemalen und modellieren unlackierte Särge. Die Kinder erzählen davon zu Hause. Das Thema Tod wird so in die Familien getragen. Bestatter Frankenheim lädt Erzieher, Lehrer und Eltern begleitend zu Gesprächsnachmittagen ein.

„Anfang des 19. Jahrhunderts fanden die Trauerrituale noch zu Hause statt“, sagt er. „Der Verstorbene wurde gewaschen und in den Sarg gelegt. Die Familie hat zusammen gebetet.“ Kinder seien damals ganz natürlich mit dem Tod aufgewachsen.

Weiterbildung

Programm Das Düsseldorfer Bestattungshaus Frankenheim, Münsterstraße 75, bietet Kitas, Schulen und Eltern Besichtigungen von Kolumbarien, Vorträge und Gesprächsnachmittage zum Thema Tod an.

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